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14 Mar 18

Der Nabel der Welt kommt in Bewegung

Zunehmend müssen sich auch die Vereinigten Staaten von Amerika – wie vorher auch schon Russland – mit der Tatsache arrangieren, dass der Nabel der Welt ein wenig verrutscht ist. Hinsichtlich Bevölkerung und wirtschaftlicher, zum Teil auch militärischer Bedeutung spielt inzwischen Asien eher die erste Geige. Das ist für manchen selbstbewussten und erfolgsverwöhnten US-Amerikaner eine bittere Pille. Da ist es doch eine große Genugtuung, wenn der Präsident in bester Django-Manier per Dekret – was so praktisch ist, weil man andere gar nicht erst fragen oder überzeugen muss – abzieht und der Welt so einmal richtig zeigt, wer die Hosen anhat. Doch ist das alles gar nicht neu. Denn bereits in den 1980er Jahren hat ein echter Westernheld als US-Präsident, Ronald Reagan den anderen Staaten, bei ebenfalls übergroßem Handelsdefizit, mit Strafzöllen und Abschottung gedroht, um bestehende bilaterale Freihandelsabkommen für die US-Wirtschaft vorteilhafter zu verhandeln. Wirklich genutzt hat es auch seinerzeit nicht, denn fehlende Wettbewerbsfähigkeit lässt sich schon gar nicht durch protektionistische Maßnahmen heilen.

Auf der gerade erst in Düsseldorf zu Ende gegangenen Handelsblatt-Tagung „Zukunft Stahl“ waren dann auch die Strafzölle ein beherrschendes Thema, denn die USA sind für nicht wenige Unternehmen ein wichtiger Absatzmarkt. Wenn allerdings nach den Worten eines großen Produzenten in Europa bestimmte Stahlgüten seit 50 Jahren zu Kunden in den USA exportiert werden, dann muss man sich schon fragen, wieso das mit einem Zoll anders sein soll. Es hätte ja auch schon in den letzten 50 Jahren einmal ein US-amerikanischer Wettbewerber auftreten können, der die Kundenbeziehung in Frage stellt. Insgesamt war der Tenor aus der Industrie, dass man erst einmal analysieren müsse, welche Produkte genau betroffen seien. Trotz allen Ernstes, wäre es überzogen, von einer großen Panik oder Betroffenheit der Produzenten durch die Außenhandelsrestriktionen zu sprechen, zumal ja auch viele Konglomerate mit eigenen Standorten in den USA vertreten sind.

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