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12 Jul 17

Mit dem Strom schwimmen ist leicht

  • Range-Trading bei Nickel. Indonesien und Philippinen bleiben die fundamentalen Treiber. Auch die Öffentlichkeitsarbeit mancher Produzenten mag einen kurzfristigen Einfluss haben.
  • Europäische Ferrochrom-Benchmark sinkt deutlich. Bereinigung nach steilem Anstieg zu Beginn des Jahres wurde weithin erwartet. Preis für 1 lb Chrom liegt nun bei USD 1,10.
  • Künstliche Intelligenz beeinflusst Arbeitsleben und Alltag. Symposium „Pre-Invent“ an der Hochschule Düsseldorf. Multidisziplinäre Auseinandersetzung mit Wirkungen und Herausforderungen.
  • Investmentbank Goldman Sachs überprüft Rohstoff-Sparte, eigentlich „strategisches Kerngeschäft“. Nicht wenige Banken haben ihr Rohstoffgeschäft aus geschäftspolitischen Gründen eingestellt.

Die Temperaturen steigen in Europa auf sommerliche Werte, die Nickelnotierungen an der London Metal Exchange (LME) tun das nicht. Nach einem Intermezzo unterhalb der psychologischen Marke von USD 9.000,00/mt, verharren diese nun schon seit einiger Zeit in einem Band von  USD 9.000,00 bis USD 9.300,00/mt. Und wenig spricht für neue Dynamik. Dazu tragen Nachrichten aus Indonesien über die Umsetzung der Lockerung des Exportverbots für unraffinierte Nickelerze ebenso bei, wie die nur schwer nachvollziehbare Öffentlichkeitsarbeit mancher Nickelproduzenten. Auch bleibt die Richtung der Umwelt- und Minenpolitik in den Philippinen unklar. Doch hierzu nun mehr Details im Einzelnen:

Nach dem Anfang 2014 erlassenen, harten Ausfuhrverbot in Indonesien, scheinen nun doch wieder größere Mengen an unraffinierten Nickelerzen nach China zu fließen. Im Mai 2017 wurden nach der chinesischen Handelsstatistik 264.000 Tonnen höher-nickelhaltige Erze nach China exportiert. Das ist zwar erst ein Bruchteil der Mengen, die vor 2014 ausgeführt wurden, aber die Tatsache der Lockerung und die Nachricht aus Indonesien, dass nun zwei weiteren Firmen der Export von Bauxit und Nickelerzen gestattet wurde, lässt klar die Tendenz erkennen. Ob es allerdings bei den jetzigen Nickel(erz)preisen sowohl den Minen, als auch den Nickel Pig-Iron Produzenten –  von den meisten konventionellen Produzenten gar nicht zu sprechen – überhaupt möglich ist, profitabel zu arbeiten, bleibt abzuwarten, ist aber eher zu bezweifeln.

In diesem Umfeld eher überraschend, machen manche Nickelproduzenten Ankündigungen zur Ausweitung ihrer Produktion, die atmosphärisch eher dazu geeignet sind, den eigenen Markt schwach zu reden. So wird der französische Nickelproduzent Eramet seine Raffinerie in Sandouville nach elf Monaten Schließung wieder anfahren und damit den Markt mit 13.000 Tonnen Nickel versorgen. Auch wurde ein Streik bei den Doniambo-Werken von SLN (Société Le Nickel) in Neukaledonien beendet, womit auch diese potenzielle Einengung des Angebots nicht mehr besteht. Auf der anderen Seite berichten Produzenten wie Vale über verlustbringende Aktivitäten gerade in Neukaledonien, verbunden mit der Hoffnung über Kostensenkungen die derzeit negativen Margen etwas einzuengen.

Beim Europäischen Chrom-Benchmark-Preis für das 3. Quartal 2017 kam es zu der erwarteten Korrektur. Diese fiel massiv aus, war aber von vorsichtigen Marktteilnehmern durchaus noch deutlicher erwartet worden. Das Korrekturpotenzial hatte sich letztlich durch den starken Anstieg zwischen dem 4. Quartal 2016 und dem 1. Quartal 2017 aufgebaut. Ausgedrückt in Zahlen reduzierte sich der vom südafrikanischen Produzenten Merafe Resources bekannt gegebene Preis für high-carbon Ferrochrom von USD 1,54/lb Chrom um 28,6% auf USD 1,10/lb. Damit ist nun aber die vermutlich notwendige Bereinigung erfolgt. Ob man auf diesem Niveau bleibt ist schwer zu sagen, wurden doch die Chrompreise in der Vergangenheit immer wieder auch von Entwicklungen auf dem südafrikanischen Strommarkt beeinflusst. Denn die Ferrochromproduktion ist sehr stromintensiv und andererseits gibt es in Südafrika temporär durchaus Engpässe in der Elektrizitätsversorgung. Der Benchmark Indicator, Lumpy Cr charge basis 52% (and high carbon) veröffentlicht durch das Metal Bulletin, der die Entwicklung des Quartalspreises prognostizieren soll, zeigt sich aktuell leicht fester.

Digitalisierung, Automatisierung, Industrie 4.0: unter diesen und anderen Schlagwörtern wird aktuell mehr und mehr diskutiert, welche zunehmenden Auswirkungen der Einfluss von Computern und Informationstechnik auf unsere Arbeits- und Lebenswirklichkeit hat und noch haben wird. Denn wir befinden uns inmitten, und inzwischen für fast jeden spür- und erfahrbar, in einer nicht aufzuhaltenden Entwicklung und das schon seit geraumer Zeit. Als erster Teil der Konferenzreihe „Pre-Invent“ fand kürzlich in der Hochschule Düsseldorf eine Veranstaltung statt, die sich mit den neuen digitalen Technologien multidisziplinär auseinandersetzte.

Unter anderem gab es einen Vortrag des Stanford-Professors Fred Turner zum „Democratic Surround“, der (versuchten) Einflussnahme durch die Kommunikationsmedien wie zum Beispiel Gestaltung, Architektur und Musik vom zweiten Weltkrieg über die psychedelischen Sixties bis hin in die Neuzeit. Es war geradezu überraschend, wie sich bei näherem Hinsehen, die Mittel der antifaschistischen Propaganda in Amerika über die Happenings der 60er Jahre bis hin zu den Wirkungsmechanismen der sogenannten Social Media gleichen. Doch zunächst ein recht überraschender Exkurs. Im Rahmen eines Vortrags wurde dem offensichtlich schon nicht mehr ganz so Social Media-affinen Autor erstmalig bekannt, dass das soziale Netzwerk Facebook, seinen Nutzern seit September 2014 für einen gewissen Zeitraum eine kaum vorstellbare Auswahl an Geschlechtern zur Verfügung stellte. Die Nutzer konnten nämlich hinsichtlich des Geschlechts nicht nur zwischen männlich und weiblich wählen, sondern zwischen 58 weiteren Geschlechteridentitäten. Wer sich einmal über die Optionen informieren möchte, dem sei die Eingabe von „60 gender facebook“ in einer Suchmaschine empfohlen.

Nun aber wieder mit voller Aufmerksamkeit zurück zur technologischen Revolution. Auch der Einsatz von sogenannter künstlicher Intelligenz ist hierbei ein ganz großes Thema. Inwieweit ist dadurch die menschliche Selbstbestimmung oder gar die Menschheit insgesamt in Gefahr? Was sich immer noch sehr nach Science Fiction anhört, ist heute aber in vielen Bereichen schon Realität. Daher ist auch für jeden interessierten Bürger und natürlich auch die Bürgerin eine diesbezügliche fundierte Meinungsbildung durchaus sinnvoll. Zum Beispiel werden im Rahmen der Vergabeentscheidungen bei Konsumentenkrediten Profilierungen aufgrund verschiedenster Merkmale (z.B. Wohnort und –gegen, Schulabschluss, etc.) vorgenommen, um Kreditentscheidungen schneller, einfacher und besser treffen zu können. Das Ergebnis ist allerdings manchmal, dass durchaus solvente Leute, die in der falschen Gegend wohnen, erst einmal durch das Raster fallen und keinen Kredit bekommen. Es gibt also durchaus Ausreißer, jenseits des Standards, bei denen diese „intelligenten“ Logarithmen nicht funktionieren beziehungsweise mit anderen Worten zu falschen Ergebnissen kommen.

Auch bei Firmenkrediten finden komplexe Modelle, mitunter auch als Ratingsysteme bezeichnet, Anwendung. Zielsetzung auch hier, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz zu besseren Entscheidungen führen soll. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass sich auch hier die Realität nicht in und für 100% der Fälle standardisieren lässt. Und auch ist nicht immer der Standard auch den Abweichungen überlegen. Solange es jedoch wie heute noch Menschen gibt, die bereit und in der Lage sind, maschinelle Entscheidungen zu verifizieren und wenn nötig zu korrigieren, ist gegen den Segen der Artificial Intelligence nichts einzuwenden. In der Tat können Maschinen viel mehr Parameter gleichzeitig und in kürzerer Zeit überblicken und mögliche Zusammenhänge/Korrelationen analysieren.

Aber Software ist eben auch nur so intelligent wie die Umsetzung der Vorgaben durch die Programmierer und auch nicht frei von Fehlern. Was aber zukünftig noch wesentlich schwerer wiegen könnte, ist die Scheu vieler Menschen vor Entscheidungen und der Übernahme von Verantwortung. Das ist durchaus menschlich und umso verständlicher, wenn man sich gegen eine, als unfehlbar und überlegen klassifizierte Computerentscheidung durchsetzen muss. Da finden der Elan und der Durchsetzungswille eines normalen Arbeitnehmers schnell seine Grenzen. Denn als Individuum und Entscheidungsträger hat man bei Licht betrachtet eigentlich nur ein Downsiderisiko.

Für viele Menschen wäre es daher wunderbar bequem, wenn man die Verantwortung final auf einen Maschine abwälzen könnte. Die Bereitschaft zu „Interventionen“ wird somit immer geringer werden. Da aber das beste Modell nie alle Fälle erfassen kann, werden gerade die für Kreativität und Weiterentwicklung notwendigen „Exoten“ auf der Strecke bleiben. Diese haben schon im „menschlichen“ System wenige, mutige Fürsprecher, dann aber so gut wie keine mehr, wenn Maschinen (und deren eben nicht allwissende Programmierer) den Standard defnieren. Wenn man diese Gedanken weiterspinnt, kommt man an einen Punkt, wo klar wird, dass man theoretisch und auch praktisch zum Beispiel auch nicht mehr weit davon entfernt ist, dass eine Computeranalyse bei der Bewerbung eines Schülers oder einer Schülerin an einer Hochschule auf der Basis einer großen Datensammlung mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sagen wird, ob die Jungen und Mädchen, das zweite Semester überstehen werden oder nicht.

Ist es exemplarisch das, was wir für die Zukunft wollen? Es ist sehr erfreulich, dass es Veranstaltungen und Foren wie „Pre-Invent“ gibt, die die Öffentlichkeit und Politik für die Herausforderungen sensibilisieren.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, scheint man bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs langsam doch etwas das Interesse an den Rohstoffen zu verlieren. Noch in 2013 wurde der Chief Executive Officer (CEO) Lloyd Blankfein dahingehend zitiert, dass das Rohstoffgeschäft ein strategisches Kerngeschäft für die Bank sei. Inzwischen hat sich das Interesse der Investoren an den Rohstoffen abgekühlt, nachdem der „Commodities Supercycle“ schon länger in einer Phase der Ab- und Seitwärtsbewegung verharrt. Außerdem hatten die Finanzmarktregulatoren gewisse risikoreiche Geschäfte der Investmentbanken im Rohstoffbereich in den Fokus genommen. Man kann sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass das vorzitierte Haus, gemeinsam mit anderen an den Entwicklungen der Rohstoffe als „Turbo-„ Anlageklasse, ebenso wie an gewissen Anlässen, die die Aufmerksamkeit der Aufsicht erregt haben, zumindest nicht ganz unbeteiligt war. Insofern scheint es aus Gründen der Profitabilität folgerichtig, aus Gründen der Kontinuität aber zweifelhaft, dass aktuell die Rohstoffdivision der Bank einer eingehenden Überprüfung unterzogen wird.

Es wäre allerdings schade, wenn eine weitere Bank ihr Rohstoffgeschäft aufgeben oder reduzieren würde, denn es gibt schon ausreichend Marktteilnehmer aus diesem Bereich, die immer nur mit dem Strom schwimmen.

In diesem Sinne wünschen wir unseren treuen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer und angenehmes und sicheres Badevergnügen.

LME (London Metal Exchange) 

LME Official Close (3 Monate)
12. Juli 2017
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close 
3 Mon.Ask
9.230,00
USD/mt
5.914,00
USD/mt
1.893,50
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  13. Juni 2017 12. Juli 2017 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 375.822 376.476 + 654 + 0,17%
Kupfer (Cu) 275.850 318.550 + 42.700 + 15,48%
Aluminium (Al) 1.444.550 1.392.625 - 51.925 - 3,60%