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19 Jan 18

Hilft der Ketchup-Effekt den Falken?

Auf der volkswirtschaftlichen Makroseite muss man sich zunehmend auf Zinserhöhungen einstellen. Auch und vor allem im Euroraum betrifft dies aktuell vor allem das sogenannte „lange Ende“ = lange Kreditlaufzeiten. So ist die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen seit dem Allzeittief von minus 0,2% im Juli 2016 inzwischen um 0,8% auf 0,6% gestiegen. Das sind zwar noch keine wirklich hohen Zinsen, jedoch ist die Richtung deutlich angezeigt und auch die Inflation steigt. So kommt eine erste Schätzung des Statistischen Bundesamts auf eine Preissteigerung von 1,8% für 2017. Vielleicht ist das ein praktisches Beispiel für den von manchen Theoretikern und Kommentatoren so genannten „Ketchup-Effekt“. Erst ist die Inflation bei null, dann die gefühlte Inflation höher, als die offiziell berechnete, dann schiebt sich eine 1 vor das Komma, dann schnell eine 2 und so weiter. Wie bei einer Ketchup-Flasche, auf die man erst draufhaut und nichts kommt, dann aber plötzlich mit aller Macht viel zu viel.

Auf eine Verstetigung der Inflation müsste dann auch die Europäische Zentralbank (EZB) am sogenannten „kurzen Ende“ = kurze Kreditlaufzeiten reagieren, ebenso wie auf die Leitzinserhöhungen anderswo (USA, Canada und Großbritannien, um nur einige Beispiele zu nennen). So erwarten die meisten Analysten für 2018 drei weitere Zinserhöhungsschritte bei der US-Notenbank Fed, manche sogar vier. Auch mehren sich die falkenhaften Töne bei der EZB. Kurz zur Erinnerung: Die sogenannten „Falken“ stehen für eine grundsätzlich restriktive Geldpolitik und Zinserhöhungen. Das Gegenstück sind die sogenannten „Tauben“, die nicht für Gehörlosigkeit stehen, sondern, Sie ahnten es schon, für eine expansive Geldpolitik und niedrige Zinsen. Auch wenn Zinserhöhungen unter dem derzeitigen EZB-Präsidenten Mario Draghi unwahrscheinlich sind, so sind diese doch bei weitem nicht mehr unmöglich. Gesichtsverlust von Herrn Draghi hin oder her, aktuell räumt er so ziemlich alles an Unternehmensanleihen vom Markt, was verfügbar ist. Er flutet also weiterhin die Märkte mit Geld.

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