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15 May 17

Episode 9: Im Würgegriff marktferner Kräfte

Die Kritik ist hier nicht, dass falsche Angaben gemacht wurden, sondern dass die sogenannte Analyse allenfalls an der Oberfläche kratzt, ohne die eigentlich wesentlichen Aspekte zu beleuchten. Das soll hier nachgeholt werden. Erstens darf man grundsätzliche Betrachtungen über den Schrotteinsatz eher nicht von der Nachfrageseite her beginnen. Schrott ist ein in der kurzen Frist ebenso knappes Gut, wie die Primärrohstoffe. Daher kann die Nachfrage so hoch sein, wie sie will. Es kann nicht mehr eingesetzt werden, als vorhanden ist. Und es gibt auch keine Halden, aus der eine größere Nachfrage bedient werden könnte. Vielmehr werden die Möglichkeiten durch das knappe Angebot determiniert, welches wiederum abhängig ist von der gegenwärtigen Metallverarbeitung und deren Produktionsresten, dem Ausmaß des historischen Verbrauchs von Metallen und der Lebensdauer bis Metallprodukte entsorgt werden sowie dem Rohstoffpreisniveau. Denn je höher die Rohstoffpreise, desto mehr Schrott wird in der Regel angeboten.

Bei der unglaublich großen Stahlproduktion in China und der verglichen mit Europa verhältnismäßig kurzen Periode eines extensiven und flächendeckenden Stahlgebrauchs, muss einem ein Ziel von 220 kg daher eher ambitioniert vorkommen. Ziele müssen daher, sollen diese realistisch sein, im Einklang mit der Schrottverfügbarkeit stehen. Selbst wenn man es wollte, wäre es im weltweiten Durchschnitt kaum möglich, mehr als 50% zu erreichen. Kurzfristig ist einfach nicht mehr Schrott verfügbar. Trotzdem wird aber der absolute Schrotteinsatz natürlich deutlich steigen. Zweitens wird die Quote auch durch die technischen Gegebenheiten determiniert. Hierzu muss man wissen, dass China zu den Ländern mit dem geringsten Anteil an Elektrostahlerzeugung gehört. Gerade diese ist für einen maximalen Schrotteinsatz bis zu 100% entwickelt worden und prädestiniert. In China wird Stahl im Wesentlichen über die Hochofenroute produziert und hier liegt technisch bedingt der maximale Schrotteinsatz eher bei 20-30%. Auch das ist bei der Analyse von tatsächlichen und angestrebten Schrotteinsatzquoten zu berücksichtigen. Drittens dürfen bei einer ökomischen Betrachtung die qualitativen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.

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